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Beratung E-Mobilität und Alternative Antriebe (IHK-zertifiziert)

Wie viel Strom brauchen wir für E-Autos?


Vor wenigen Tagen hat das EU-Parlament beschlossen, ab 2035 keine Neuzulassungen mehr mit Verbrennungsmotoren erlauben zu wollen. Seitdem wird heiß diskutiert, ob dies die einzig richtige oder eine völlig blödsinnige Entscheidung sei - mit zunehmend verhärteten Fronten. Eines der Hauptargumente gegen die Entscheidung für die E-Mobilität ist der steigende Strombedarf. "Wo soll denn all der Strom herkommen?" - diese Frage steht im Raum. Doch wie viel zusätzlichen Strom benötigen wir denn in Deutschland, wenn in den kommenden Jahren immer mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen? Eine Überschlagsrechnung...

Grundannahmen:

* Bis 2030 strebt die Bundesregierung an, dass 15 Millionen reine E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen sind. Dies wäre Szenario 1 - unabhängig davon, wie realistisch das heute sein mag. Szenario 2 wäre die komplette Umstellung des heutigen Fahrzeugbestands auf E-Autos in ferner Zukunft, das wären also etwa 60 Millionen Fahrzeuge.


* Zuletzt lag die jährliche Fahrleistung pro Pkw bei etwas mehr als 13.000 Kilometern pro Jahr. Legen wir eine in Sachen Stromverbrauch eher pessimistische Schätzung für die Zukunft zu Grunde und rechnen mit 15.000 Jahreskilometern, so ergeben sich im Schnitt pro E-Auto 41 Kilometer am Tag.


* Der Verbrauch von E-Autos variiert je nach Fahrprofil enorm. Bei den offiziellen Angaben liegt der Schnitt für alle Fahrzeuge etwa bei 15 kWh pro 100 Kilometer. In der Realität ist das oft schwer umsetzbar. Wir rechnen mal mit derzeit realistischen 20 kWh - und lassen dabei technische Fortschritte bei der Effizienz, die es sicherlich geben wird, einmal unbeachtet.


* Da es beim Laden zu Ladeverlusten kommt, müssen wir etwa 10 Prozent zusätzlichen Energiebedarf annehmen.



Ermittelter Strombedarf:


Daraus ergibt sich für den jährlichen zusätzlichen Strombedarf folgende Rechnungskette:


1.) 20 kWh x 41 km/pro Tag / 100 = 8,2 kWh täglicher Strombedarf pro Fahrzeug


2.) 8,2 kWh x 1,1 = 9,02 kWh täglicher Strombedarf pro Fahrzeug inklusive Ladeverlusten


3.) 9,02 kWh x 15 Mio. Fahrzeuge = 135,3 Mio. kWh pro Tag an zusätzlichem Strombedarf (Szenario 1) sowie 9,02 kWh x 60 Mio. Fahrzeuge = 541,2 Mio. kWh pro Tag in Szenario 2.


4.) 135,3 Mio. kWh x 365 Tage ergibt einen jährlichen zusätzlichen Strombedarf von 49,38 Mrd. kWh (Terawattstunden) im Jahr in Szenario 1 sowie 541,2 Mio. kWh x 365 Tage = 197,54 Mrd. kWh (Terawattstunden) im Jahr in Szenario 2.

Einordnung dieser Zahlen:

Knapp 50 bzw. 200 Terawattstunden zusätzlicher Strombedarf im Jahr in den beiden Szenarien klingen nach viel - und sind es auch. Allerdings lag der jährliche Stromverbrauch in ganz Deutschland in den vergangenen Jahren bei 500 bis 540 Terawattstunden. Das würde für das Szenario mit 15 Millionen E-Autos einen gestiegenen Strombedarf von knapp 10 Prozent bedeuten - und etwa 37 bis 40 Prozent im utopischen Szenario, dass es einmal 60 Millionen E-Autos in Deutschland geben wird.



Was kann so viel Strom produzieren?


Damit die Umstellung auf E-Autos auch in letzter Konsequenz klimaneutral ist, muss der Strom selbstredend aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden. Wie viele Windkraft oder Photovoltaikanlagen würden wir denn zusätzlich für diese Strommengen benötigen?


* Windkraft: Ein modernes Windrad an Land produziert im Schnitt etwa 5 Mio. kWh im Jahr. Für das Szenario 1 wären also gut 9900 zusätzliche Windräder nötig. Derzeit sind es etwas mehr als 28.000 Windräder in ganz Deutschland. Mit einem Ausbau von etwas mehr als 35 Prozent wäre diese zusätzlich benötigte Strommenge also theoretisch auszugleichen. Für das Utopie-Szenario 2 wären folglich knapp 40.000 zusätzliche Windräder auf dem Land nötig, Anlagen auf dem Wasser (Offshore) können aber noch weitaus mehr Strom erzeugen.


* Photovoltaik: 1 Quadratmeter Photovoltaikfläche erzeugt in Deutschland im Jahr etwa 200 kWh Strom, ein Quadratkilometer also 200 Mio. kWh. Somit bräuchten wir für Szenario 1 etwa 250 Quadratkilometer zusätzliche PV-Flächen, für Szenario 2 etwa 1000 Quadratkilometer. Das sind umgerechnet nicht ganz 40 Prozent des Saarlands (und knapp 10 Prozent in Szenario 1). Zuletzt wurden in Deutschland etwa 50 Terawattstunden jährlich durch PV-Anlagen ins Netz gespeist. Das ist ziemlich genau so viel, wie wir für Szenario 1 zusätzlich bräuchten. Mit doppelt so vielen Solarflächen wie heute wäre der Mehrbedarf also abgedeckt - und mit fünfmal so viel sogar der aus unserem Utopie-Szenario.

Zusammenfassung:

Es ist richtig, dass wir bei einer Umstellung auf deutlich mehr (Szenario 1) oder gar vollständige E-Mobilität (Szenario 2) im Land deutlich mehr Strom benötigen. Die Überschlagsrechnung zeigt jedoch, dass die Größenordnungen des Mehrbedarfs keinesfalls den Rahmen des Machbaren sprengen dürften - selbst bei zusätzlich steigendem Bedarf an Erneuerbaren Energien durch den Kohle- und Atomausstieg.




 
 
 
 
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