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Umweltfreundlich, unglaublich günstig - und weitestgehend unbekannt: BioCNG

Zwar bin ich dienstlich inzwischen vorwiegend mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen unterwegs, privat nutze ich aber nach wie vor eine Nische, die trotz vieler Vorteile fast niemand auf dem Schirm hat. Mein Skoda Scala fährt ab Werk mit Gas, und bis auf eine oder zwei Ausnahmen habe ich ihn auf bislang bald 50.000 Kilometern immer mit Biogas getankt. Damit ist die Umweltbilanz genauso gut wie mit einem rein mit Ökostrom geladenen Elektroauto - doch für mich als "Laternenparker" oder Lademöglichkeit zuhause ist es bedeutend günstiger. Was ist an BioCNG so toll - und warum führt es dennoch ein Schattendasein? Hier ein paar Fakten:


Die Technik

CNG-Fahrzeuge waren früher als Erdgasautos bekannt. Heute gibt es an den Tankstellen in Deutschland aber nahezu ausschließlich BioCNG zu tanken. Dies ist kein fossiler Treibstoff, sondern das Gas wird aus Bioabfällen wie überschüssigem Stroh und Gülle erzeugt. Inzwischen wird hierzulande auch - bis auf einzelne lokale Ausnahmen - kein Lebensmittel wie Mais mehr für die Herstellung verwendet. Die Motoren in CNG-Fahrzeugen sind klassische Verbrennermotoren, die sowohl mit Gas als auch mit Benzin betrieben werden können. Früher hatten Erdgasautos oft normal große Benzintanks und galten damit als bivalent. Die heute bestellbaren Modelle haben aber lediglich eine kleine Reserve, in meinen Scala passen maximal neun Liter. 


Das Tanken

In Deutschland gibt es etwa 800 CNG-Tankstellen, die allermeisten davon bieten - wie bereits erwähnt - Biogas an. Der Tankvorgang dauert in der Regel nur minimal länger als normales Tanken. Es gibt zwei verschiedene Arten von Tankvorrichtungen, beide sind relativ einfach zu bedienen. Am Anfang ist das zwar gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim dritten Tanken hat man den Dreh raus. Das Gas ist - anders als das flüssige Autogas LPG - gasförmig und wird unter hohem Druck in die Tanks gepresst. Rauchen ist an Tankstellen selten eine gute Idee, neben einem tankenden CNG-Fahrzeug sollte man aber tunlichst drauf verzichten. Ansonsten ist das Tanken absolut unkompliziert. 


Der Preis

Mit meinem Scala bin ich unglaublich günstig unterwegs. Da es sich bei BioCNG nicht um Erdgas handelt, sind die Preise nicht explodiert. Aktuell kostet mich an meinen Stammtankstellen das Kilo BioCNG zwischen 0,96 und 1,03 Euro. Wer an einer Tankstelle CNG für deutlich höhere Preise sieht, der hat vermutlich eine der wenigen Tankstellen mit fossilem Erdgas erwischt. Etwa 14 Kilo für etwa 14 Euro bekomme ich in den Tank - damit fahre ich etwa 400 Kilometer weit. Das sind etwa 3,50 Euro pro 100 Kilometer. Allerdings fahre ich auch sehr moderat, aber weniger als 5 Euro pro 100 Kilometer sollte eigentlich jeder schaffen. Zum Vergleich: Als Benziner braucht der Scala bei dieser Fahrweise knapp über 6 Liter auf 100 Kilometer, das sind also derzeit gut 11 Euro - mehr als dreimal so viel. Günstiger ist es nur für dann, wenn man sein Elektroauto an die eigene PV-Anlage hängen oder beim Arbeitgeber kostenlos laden kann.


Das Auto

CNG-Fahrzeuge haben etwas weniger Kofferraumvolumen, da die Gastanks mehr Platz einnehmen als welche für Benzin. Ansonsten ist mein Scala nicht von einem normalen Benziner zu unterscheiden - abgesehen vom Schriftzug "G-Tec" am Heck. Das Fahrverhalten ist ebenfalls wie bei einem Benziner, selbst wenn das Gas ausgeht und das Fahrzeug auf Benzin umspringt, merkt der Fahrer davon nichts, außer dass ein grünes Lämpchen erlischt. Auch kalt startet der Wagen schon mit Gas, außer es ist wirklich bitterbitterkalt. Nach dem Tanken fährt das Auto kurz mit Benzin, allerdings dient das vorrangig der Systempflege, weil CNG-Fahrer ansonsten theoretisch monatelang die Benzineinspritzung nicht benötigen. Der Anschaffungspreis ist in der Regel etwa 1500 Euro höher als der des baugleichen Benziners. Ich hatte allerdings eine Aktion genutzt, bei der es die CNG-Version zum Normalpreis gab. Außerdem ist die Steuer sehr viel niedriger, ich zahle für ein Fahrzeug aus 2020 nur 26 Euro im Jahr. Grundsätzlich lässt sich jedes Fahrzeug zu einem CNG-Auto umrüsten, das lohnt finanziell aber nur in wenigen Fällen und ist etwas weniger sicher. Wenn es zu Explosionen von Gasfahrzeugen kam, waren das nahezu ausschließlich umgerüstete Autos.

Was denken Sie: Womit wird Ihr Auto in zehn Jahren vorrangig angetrieben sein?

  Benzin / Diesel   Strom   Wasserstoff   BioCNG   anderes / kein Auto


Die Umwelt

Ein CNG-Auto stößt vor Ort zwar Emissionen aus, allerdings deutlich geringere als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Beim CO2 ist der Ausstoß etwa 25 Prozent geringer, bei anderen Schadstoffen ist der Unterschied sogar noch deutlich größer. Vor allem aber wird nur CO2 ausgestoßen, das ohnehin schon im Umlauf war, das ist der große Vorteil zum Verbrennen von fossilem Erdgas. Es gibt sogar einen umweltschonenden Aspekt: Wenn die Abfälle einfach verrottet wären, dann wäre das Methan - nichts anderes ist CNG - unkontrolliert aufgestiegen. Methan ist deutlich klimaschädlicher als CO2, und in CNG-Autos wird es durch die Verbrennung zu ebendiesem entschärft. Allerdings hängen die Tankstellen zumeist am normalen Erdgasnetz. Es verhält sich also wie beim Ökostrom: Es kann durchaus sein, dass das konkret genutzte Gas fossiler Herkunft ist, es darf aber nur so viel Biogas verkauft werden, wie auch tatsächlich ins Netz eingespeist wird.

Die Politik

Umweltfreundlich, billig und tanken wie gewohnt - warum fahren nicht viel mehr CNG-Autos durchs Land? Das liegt an der komplexen politischen Lage. Die EU sowie die Bundesregierung fahren einen eindeutigen Kurs in Richtung Elektromobilität. Das ist ja erst einmal nicht verkehrt. Aber das verbaut auch anderen ökologisch und ökonomisch sinnvollen Alternativen wie BioCNG ein Stück weit die Perspektiven. Solange das Risiko besteht, dass CNG-Autos wie andere Verbrenner in Zukunft nicht mehr zugelassen werden sollen, weshalb sollte dann viel in die Tankstelleninfrastruktur investiert werden? Außerdem ist das Thema sehr komplex, und die wenigsten Politiker überschauen das Thema BioCNG tatsächlich. In mehreren Gesprächen mit Kommunalpolitikern musste ich feststellen, dass oft aufgrund von Unwissenheit eine ablehnende Haltung besteht. Dafür möchte ich niemanden verurteilen, keiner kann immer alles wissen - und gerade als Politiker muss man mit seinem Wissen ohnehin schon breit aufgestellt sein. Allerdings ist es schade, dass mitunter falsche Vorurteile das Urteil bestimmen.

Die Zukunft

Wie es mit BioCNG in Deutschland weitergeht, ist aktuell schwer zu sagen. Es gibt vor allem zwei Szenarien: Entweder Biogas verschwindet mit Benzin und Diesel nach und nach von der automobilen Bühne, weil die Elektromobilität sich - wie politisch erhofft - in Gänze durchsetzt. Oder aber es gelingt - unter anderem durch die Arbeit des CNG-Clubs -, die Politik von Biogas als Alternative zu überzeugen. Allerdings kann es sich lediglich um einen Baustein in der Verkehrswende handeln. Das Potential für Biogas in Deutschland liegt aktuell bei etwa sieben Millionen Fahrzeugen. Für mehr müssten voraussichtlich wieder Nahrungsmittel verarbeitet werden - und das können wir uns, wie wir spätestens seit dem Ukraine-Krieg wissen, wahrlich nicht erlauben. Derzeit ziehen sich die Autohersteller eher aus dem Geschäft mit Gasfahrzeugen zurück, allerdings ist dies lediglich eine Reaktion auf politische Rahmenbedingungen. Denn leider wird bei der Ermittlung des CO2-Ausstoßes der Fahrzeugflotte lediglich betrachtet, was am Fahrzeug an Schadstoffen ausgetoßen wird - und nicht der Gesamtkreislauf. Es liegt also letztendlich in der Hand der Politik, ob BioCNG eine Zukunft hat. 


Die Beratung

Sie möchten mehr über BioCNG wissen? Gibt es genug Tankstellen in Ihrer Nähe? Wie viel Geld könnten Sie sparen? Welche Modelle kämen infrage? Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ein Gasauto zuzulegen, berate ich Sie gerne individuell. Kontaktieren Sie mich gerne unter daniel.krenzer@beraterkrenzer.de oder über das Kontaktformular.

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